Management by Objectives oder Objectives and Key Results?

Wie steht es um Ihre Jahresziele 2020? Wenn diese in guter MbO-Manier Ende letzten Jahres besprochen und festgehalten wurden, werden sie wohl nicht mehr der Aktualität entsprechen. Das Leben grundsätzlich oder eine Pandemie im Speziellen hält sich nicht an unsere Pläne.

Von Christian Bachmann:
Management by Objectives ist eine gute Sache. Die Ziele (Was) werden verhandelt, der Weg ins Ziel (Wie) bleibt frei. Allerdings reicht es nicht, hochmotivierte Mitarbeitende zu haben und mit diesen SMART’e Ziele festzulegen. Nach Reinhard Sprenger hat gute Leistung immer drei Einflussfaktoren: Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Leistungsmöglichkeit. Unter der Leistungsmöglichkeit werden die Rahmenbedingungen verstanden, innerhalb welcher die Arbeit geleistet wird. Eine Person muss von ihrer Organisation auch in ihrer Aufgabe und Rolle unterstützt werden (Soziales Dürfen). Zudem muss auch die situative Ermöglichung vorhanden sein. Also die Ressourcen, das Zeitbudget oder die Hilfsmittel. COVID-19 hat je nach Person alle drei Ressourcen, sicher aber die Leistungsmöglichkeit stark negativ beeinflusst. Das kann bei allem Können und Wollen nicht kompensiert werden.

Glücklich sind Sie, wenn in Ihrem MbO auch festgehalten wird, welche Leistungsmöglichkeit für die vereinbarten Ziele als Referenz gilt. Bei vielen Mitarbeitenden ist dies jedoch nicht der Fall, womit für dieses Jahr schwierige Jahresendgespräche anstehen.

Objectives and Key Results (OKR) stehen für ein agiles Performance Management. Als Leitstern dient die Unternehmensvision. Jedes Jahr werden davon dann maximal drei Jahresziele abgeleitet. Diese drei Jahresziele bilden die Basis dafür, dass sich jedes Team gemeinsam überlegt, mit welchen Objectives es innerhalb der nächsten 3 Monate am besten zu den Jahreszielen beitragen kann. Diese Objectives (Was) sollen qualitativ formuliert sein. Sie beantworten zuallererst die Frage nach dem Warum. Qualitative Ziele machen Sinn und Freude, mobilisieren Energie und stiften Orientierung. Sie haben ihren Ausgangspunkt bei den Potenzialen der Menschen und den Chancen des Umfeldes.

Von diesen qualitativen Objectives werden dann quantitative, Key Results (Wie) abgeleitet. Hier überlegt sich jedes Team SMART’e Parameter, aufgrund derer sich der Zielerreichungsgrad messen lässt. Diese Key Results dienen dann als Basis, um in regelmässigen Abständen den Fortschritt des Teams zu messen.

Die Entwicklung von Objectives und Key Results ist natürlich eine anspruchsvolle Sache und ein partizipativer Prozess. Aber eine Gruppe von Menschen ist schlussendlich nur ein Team, wenn ein gemeinsames Ziel verfolgt wird, wenn die Personen miteinander in Beziehung stehen und auch Handlungsspielräume zur Realisierung ihrer Arbeit haben. All das ist ein positiver Nebeneffekt bei der Entwicklung der OKR. Und COVID-19 würde damit nur eine Quartalsplanung vermasseln, nicht aber eine Jahresplanung.

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TED-Talk, John Doerr

Qualitative Ziele: Ruth Seliger, Positive Leadership, 2014.

Seminar zum Blog:

Leadership in Expert Organizations